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Westböhmen

Wo sich die größten Genies des Barock die Hände reichten

Wo sich die größten Genies des Barock die Hände reichten

Würde das Kloster in Kladruby näher bei Prag liegen, dann würde es bestimmt zu den Top-Sehenswürdigkeiten zählen. Da es jedoch nahe der deutschen Grenze gelegen ist, werden Sie bei der Besichtigung auf keine Menschenmassen treffen. Auch unter den Tschechen zählt dieser Ort noch als Geheimtipp.

Das spätbarocke Benediktinerkloster zählt zum Besten, was die Sakralarchitektur in der Tschechischen Republik zu bieten hat, und lässt nicht wenige der Prager Kirchen im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Kein Wunder, denn sein heutiges Aussehen verdankt das Kloster zweien der größten Genies des 18. Jahrhunderts ‒ Johann Blasius Santini und Kilian Ignaz Dientzenhofer. Die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde von J. B. Santini im Stil der böhmischen Barockgotik erbaut und stellt nach dem St.-Veits-Dom in Prag und dem Dom der Hl. Barbara in Kutná Hora den drittgrößten Sakralbau in der Tschechischen Republik dar.

Diese ist nicht nur wegen ihrer Größe so imposant, sondern auch wegen der reichen bildhauerischen Verzierung, die die typische Handschrift von Matthias Bernard Braun trägt.

Das Kloster in Kladruby stand jedoch nicht nur im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sondern war auch ein wichtiger politischer Schauplatz. Eine wichtige Rolle hatte das Kloster zum Beispiel im Streit zwischen König Wenzel IV. mit dem Abt Johann von Jenstein. Der König wollte die damals reiche Stadt Kladruby an das neu gegründete Bistum anschließen, was den Einfluss des mächtigen Abtes bedeutend einschränken sollte. Johann von Jenstein konnte das Kloster mit Unterstützung des erzbischöflichen Generalvikars Johannes von Nepomuk halten, der seine Treue jedoch mit seinem Leben bezahlte. Nach Johann von Jensteins Vertreibung aus dem Königreich ließ Wenzel IV. den Vikar einkerkern und foltern, um ihn schließlich von der Karlsbrücke in die Moldau zu stürzen und zu ertränken. Zum Gedenken an diese Ereignisse beherbergt das Kloster bis heute mehr als fünfhundert Bildnisse des Johann von Nepomuk ‒ die größte Sammlung ihrer Art in Europa.

Seinem Zweck dient das Kloster seit 1785 nicht mehr, als es auf Anordnung von Joseph II. aufgelöst wurde. Nachfolgend diente es als Kaserne, Hospital oder Invalidenhaus. Fürst Alfred zu Windisch-Graetz, der das Kloster später kaufte und an seine Herrschaft anschloss, ließ hier in der Windisch-Graetzer-Familiengruft seine tragisch verunglückte Gemahlin Eleonore beilegen. Nach der Auflösung der Familiengruft in Tachov (Tachau) wurden auch seine Gebeine ins Kloster überführt.

Weitere wissenswerte Dinge über die Stadt Kladruby und Umgebung erfahren Sie auf dem Lehrpfad mit interessanten Fakten aus der Geschichte und über die Natur. Sie erfahren zum Beispiel, wie die hiesigen Bürger zu ihrem Reichtum kamen, welche Sagen mit dem Kalvarienberg verbunden sind oder wo das einstige Flussbett der Úhlavka verlief.

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