© Petr Hricko

Westböhmen

Der Zwischenfall in der Stadt Teplice

Der Zwischenfall in der Stadt Teplice

In der berühmten Kurstadt, wo Ende des 19. Jahrhunderts die europäische Crème de la Crème anzutreffen war, spielte sich ein legendäres Ereignis ab, das den Generationenkonflikt zwischen zwei berühmten Künstlern veranschaulicht. Was sieht jedoch die Wirklichkeit hinter dieser Legende aus?

Schlossparks und Musikkonzerte gehören seit jeher zusammen. Am Oberen Teich begegneten einander bei abendlichen Gondelfahrten der Adel, die Kurgäste und die Teplitzer High Society. Als musikalische Untermalung wurden Werke von W. A. Mozart vorgetragen. Einem ähnlichen Zweck diente den Kurgästen, zu welchen auch der russische Zar Alexander I. oder der preußische König Friedrich Wilhelm III. gehörten, das Garten- und Ballhaus (Zahradní a plesový dům), das später zum Gartensaal (Zahradní sál) umbenannt wurde. Heute werden in der Altane vor dem Gartenhaus in der Sommersaison Konzerte und Theateraufführungen aus der ganzen Welt angeboten.

Schlossparks und Musikkonzerte gehören seit jeher zusammen. Am Oberen Teich begegneten einander bei abendlichen Gondelfahrten der Adel, die Kurgäste und die Teplitzer High Society. Als musikalische Untermalung wurden Werke von W. A. Mozart vorgetragen. Einem ähnlichen Zweck diente den Kurgästen, zu welchen auch der russische Zar Alexander I. oder der preußische König Friedrich Wilhelm III. gehörten, das Garten- und Ballhaus (Zahradní a plesový dům), das später zum Gartensaal (Zahradní sál) umbenannt wurde. Heute werden in der Altane vor dem Gartenhaus in der Sommersaison Konzerte und Theateraufführungen aus der ganzen Welt angeboten.

Die besondere Geschichte spielte sich am 23. Juli 1812 ab, als die beiden größten Vertreter der europäischen Kultur, der „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe und der berühmte Komponist Ludwig van Beethoven beim gemeinsamen Spaziergang durch den Park der Gemahlin von Kaiser Franz I. Maria Ludovika mit ihren Hofdamen begegneten. Während Goethe ehrwürdig seinen Hut abnahm und sich vor ihrer Hoheit tief verbeugte, bahnte sich der Komponist voller Überzeugung, dass nur ein Künstler ein echter Aristokrat sei, seinen Weg ohne Grußworte durch die Menschenmenge der Hofdamen und Zuschauer. Daraufhin warf er Goethe seine Unterwürfigkeit vor und betrachtete ihre kurze Freundschaft nach diesem Inzident als beendet. Sie sind einander nie wieder begegnet.

Das Ereignis wurde zum Motiv für die Lithographie des deutschen Malers Carl Röhling aus dem Jahr 1887 und an den Ort, wo sich dies ereignete, erinnert heute im Park eine Gedenktafel. Die ganze Sache hat jedoch einen kleinen Haken. Das so beschriebene Ereignis hat höchstwahrsche­inlich nie stattgefunden. Einige legen dieses Zusammentreffen als ein Ereignis von fast schon historischer Bedeutung aus ‒ der devote Goethe als Vertreter der alten Welt und der um zweiundzwanzig Jahre jüngere und viel freier denkende Beethoven, der sich seinen Weg durch die Menge der Hofdamen und Höflinge bahnt. Andere betrachten Beethovens Tat als rüpelhaftes Verhalten. Die Wahrheit ist, dass wir dieses Ereignis nur aus einer knappen Beschreibung kennen, und zwar aus einem Brief von Goethes platonischer Liebe und Muse Bettina von Arnim. Diese bekannte Salondame zitiert einen angeblichen Brief von Beethoven, der jedoch nicht überliefert wurde:

„Als wir gestern Abend vom Spaziergang zurückkehrten, begegneten wir der kaiserlichen Familie. Goethe ließ von meinem Oberarm ab und stellte sich seitlich des Wegs. Ich konnte ihn nicht dazu bringen, sich auch nur einen Schritt zu bewegen. Ich habe mir also meinen Hut tief ins Gesicht gesetzt, den Mantel geschlossen, meine Hände am Rücken verschränkt und bin durch die Menschenmenge weitergegangen. Die Prinzen, Hofmänner und Hofdamen machten ein Spalier, Herzog Rudolf zog seinen Hut und die Kaiserin grüßte als erste…“ (aus dem Brief von Bettina von Arnim).

(z dopisu Bettiny von Arnim)

Heute sieht es eher danach aus, als wenn sich die selbstbewusste junge Damen die Geschichte ausgedacht oder Passagen hinzugefügt hätte, um Goethe schlecht darzustellen. Warum sie dies tat, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Trotzdem lebt die Legende weiter und ihre Interpretation finden wir zum Beispiel auch in Milan Kunderas Roman „Unsterblichkeit“.

Die Straße Lázeňská ulice war den bedeutendsten Gästen vorbehalten, wie dem Komponisten Ludwig van Beethoven, dem deutschen Maler Caspar David Friedrich oder dem tschechischen Historiker und Literaturwissenschaftler Josef Dobrovský.

Die Straße Lázeňská ulice war den bedeutendsten Gästen vorbehalten, wie dem Komponisten Ludwig van Beethoven, dem deutschen Maler Caspar David Friedrich oder dem tschechischen Historiker und Literaturwissenschaftler Josef Dobrovský.

Beim Besuch der Stadt Teplice sollten Sie unbedingt die historische Altstadt mit mehreren Kirchen und der Pestsäule aus den Jahren 1718-1719 besichtigen. Als Dank dafür, dass die Stadt von der Pestepidemie verschont wurde, ließ diese der damalige Besitzer der Teplitzer Herrschaft  F. K. Clary Aldringer errichten. Die Säule stammt vom barocken Bildhauer Matthias Bernard Braun und zählt zu seinen wertvollsten Werken.

Beim Besuch der Stadt Teplice sollten Sie unbedingt die historische Altstadt mit mehreren Kirchen und der Pestsäule aus den Jahren 1718-1719 besichtigen. Als Dank dafür, dass die Stadt von der Pestepidemie verschont wurde, ließ diese der damalige Besitzer der Teplitzer Herrschaft F. K. Clary Aldringer errichten. Die Säule stammt vom barocken Bildhauer Matthias Bernard Braun und zählt zu seinen wertvollsten Werken.

Heutzutage werden Ihnen die Namen Goethe und Beethoven in Teplice auf Schritt und Tritt begegnen. Nicht zu übersehen ist natürlich der größte Kurbad-Komplex, der den Namen des berühmten Komponisten trägt. Die berühmte Geschichte der Stadt ist hier überall spürbar ‒ neben den prachtvollen Kurbädern mit ihren eleganten Gebäuden ist auch die historische Altstadt sehenswert, die mehrere Kirchen, ein Schloss aus dem 16. Jahrhundert und das architektonisch wertvolle Gebäude im Stile des Funktionalismus namens Concordia ihr Eigen nennt, das als Sitz einer Versicherungsge­sellschaft errichtet wurde. Seit der Zeit, als Teplice den Beinamen „Kleines Paris“ trug, ist viel Wasser aus den hiesigen Quellen gesprudelt und die älteste Kurstadt in Mitteleuropa, deren Tradition zweitausend Jahre zurückreicht, ist aufgrund der Kohleförderung und der Ereignisse vergangener Jahrzehnte stellenweise ein Ort krasser Gegensätze. Es ist es jedoch wert, gerade in dieser Stadt der romantischen Geschichten auch der Geschichten zu gedenken, die zwar manchmal prosaisch und traurig sind, im Unterschied zu den erst genannten jedoch der tatsächlichen Geschichte der Tschechischen Republik entspringen.

Der ungewöhnlich anmutende Springbrunnen, oder eher eine Fontäne, in Form einer hohen, durchsichtigen Röhre, von der Wasser in ein kleines Becken fällt, wurde im Jahr 2002 durch die ursprüngliche meteorologische Säule auf dem Stadtplatz Mírové náměstí ersetzt. Zusammen mit der Stahl-Kolonnade rund um die Kuppel zählt sie zu den Ergebnissen der modernen Umgestaltung dieses Stadtplatzes, wo bis  1946 ein historisches Wohnviertel stand.

Der ungewöhnlich anmutende Springbrunnen, oder eher eine Fontäne, in Form einer hohen, durchsichtigen Röhre, von der Wasser in ein kleines Becken fällt, wurde im Jahr 2002 durch die ursprüngliche meteorologische Säule auf dem Stadtplatz Mírové náměstí ersetzt. Zusammen mit der Stahl-Kolonnade rund um die Kuppel zählt sie zu den Ergebnissen der modernen Umgestaltung dieses Stadtplatzes, wo bis 1946 ein historisches Wohnviertel stand.

Details anzeigen

Schlieβen

Interakce s mapou Zavřít mapu

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung erkläre ich mich einverstanden. Ich stimme zu