© Jan Flieger; Biograpf 2014

Nordböhmen

Die letzten Geheimnisse von Stift Broumov

Die letzten Geheimnisse von Stift Broumov

Das Benediktiner-Kloster ist das Wahrzeichen der Stadt Broumov (Braunau). Es ist so riesig, dass nicht einmal die ansässigen Mönche wussten, wie viele Räume es genau hat. Einst versteckten sie hier den sog. Codex Gigas vor den Hussiten und vor kurzem konnten sie sich erneut davon überzeugen, dass das Kloster noch nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben hat.

Noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts war die umliegende Landschaft unbewohnt und verödet. Im Jahr 1213 schenkte König Ottokar I. Přemysl das Land dem hiesigen Abt Kuno vom Orden der Benediktiner, welche damit begannen, den Landstrich mit den ersten Mönchen und Einwohnern zu besiedeln. Seine Blütezeit erlebte das Stift unter dem Abt Othmar Zinke (1700–1738), als es weitläufige Ländereien in der Umgebung besaß und wirtschaftlich gut gestellt war. Mit seinem Bauvorhaben wollte Othmar Zinke die Einmaligkeit der Abtei Břevnov-Broumov, der ältesten Abtei Böhmens, unterstreichen und lud die bedeutenden europäischen Baumeister ‒ Christof Dientzenhofer und seinen Sohn Kilian Ignaz ‒ ins Stift ein, um dieses komplett umbauen zu lassen. Das Stift erhielt damals sein gewaltiges Aussehen, wobei das Interieur der Kirche des Hl. Wenzel zu den beeindruckendsten Räumen zählt.

Teufelsbibel

Im Jahr 1420 brannten die Hussiten das Benediktinerkloster in Břevnov, einem heutigen Prager Stadtviertel, fast vollständig nieder. Die einstigen Bewohner übersiedelten samt der Schätze nach Broumov, inklusive des mittelalterlichen „achten Weltwunders“ ‒ des größten handschriftlichen Buches der Welt namens Codex Gigas, auch Teufelsbibel genannt (nach einer fünfzig Zentimeter großen Illustration des Teufels im Kodex). Die Handschrift wurde von den Benediktinern im 13. Jahrhundert verfasst, misst fast einen Meter und wiegt für ein Buch stattliche 75 kg. Es enthält das gesamte Wissen der damaligen Welt ‒ das Alte und Neue Testament, historische Schriften (darunter auch die Chronik Böhmens von Cosmas von Prag), verschiedene medizinische Traktate sowie magische Formeln. Dieses gigantische und mysteriöse Buch beflügelt seit seiner Entstehung die menschliche Phantasie. Einer Legende nach wurde es von einem Mönch zur Sühne für seine Sünden verfasst. Dieser versprach dem Teufel seine Seele, wenn dieser ihm bei der Fertigstellung helfen würde. Experten sind der Meinung, dass das Werk im Lauf von mindestens zwanzig Jahren entstand und von einer einzigen Person mit außergewöhnlichem handwerklichem Geschick niedergeschrieben wurde. Ein weiteres Rätsel stellen die fehlenden Seiten dar, die bereits im Mittelalter herausgeschnitten worden waren.

„Was mag wohl auf den Pergamentblättern gestanden haben und wer hat diese herausgeschnitten? Dies Buch stand ja nicht jedem in einer öffentlichen Bibliothek zur Einsicht! In der Teufelsbibel durften nur wenige Menschen blättern. Für die Benediktiner stellte sie das achte Weltwunder dar. Sie mussten einen triftigen Grund dafür haben, um sie auf solch eine Art zu beschädigen.“

(Arnošt Vašíček, spisovatel a scénárista filmu Ďáblova lest)

Leider bekommen Sie den Codex Gigas in Broumov heute nicht mehr zu Gesicht. Im Jahr 1594 machte ihn Kaiser Rudolf II. zum Teil seiner Prager Sammlungen und 1648 wurde das Werk als Kriegsbeute im Dreißigjährigen Krieg nach Schweden überführt. Schon Präsident Václav Havel war bemüht, die Bibel zurück in die Tschechische Republik zu holen ‒ leider vergebens.

Leider bekommen Sie den Codex Gigas in Broumov heute nicht mehr zu Gesicht. Im Jahr 1594 machte ihn Kaiser Rudolf II. zum Teil seiner Prager Sammlungen und 1648 wurde das Werk als Kriegsbeute im Dreißigjährigen Krieg nach Schweden überführt. Schon Präsident Václav Havel war bemüht, die Bibel zurück in die Tschechische Republik zu holen ‒ leider vergebens.

Turiner Grabtuch

Einen historischen Gegenstand, der erst unlängst entdeckt wurde, können Sie sich im Rahmen Ihrer Besichtigung aber schon ansehen. Man schreibt das Jahr 1999. In der Klosterkirche des Hl. Wenzel ist oberhalb der Kapelle des Heiligen Kreuzes ein knapp zwölf Meter hoher, hoch über dem Boden angebrachter, vergoldeter Stuckkranz mit der Inschrift Sancta Sindon ‒ dem Terminus Technicus für das berühmte Turiner Grabtuch, in welches angeblich Jesus Christus nach seiner Kreuzigung gewickelt worden war ‒ zu sehen. Hinter dem Stuckkranz ist eine alte Schatulle zu sehen, die weder von Zeitzeugen noch Archiven je erwähnt wurde. Damals trat im Stift Broumov der zwanzigjährige Přemysl Sochor seinen Zivildienst an, dem die geheimnisvolle Inschrift Sancta Sindon keine Ruhe ließ. Schließlich entschied er sich, der Sache genau nachzugehen. Der einzige, der ihn dabei begleitete, war der alte Vikar Norbert Josef Zeman.

In der Klosterkirche des Hl. Wenzel wurde im Jahr 1999 oberhalb der Kapelle des Hl. Kreuzes eine Kopie des Turiner Grabtuches entdeckt.

In der Klosterkirche des Hl. Wenzel wurde im Jahr 1999 oberhalb der Kapelle des Hl. Kreuzes eine Kopie des Turiner Grabtuches entdeckt.

Diese einmalige Kopie des Turiner Grabtuches im Stift Broumov stammt aus dem Jahr 1651.

Diese einmalige Kopie des Turiner Grabtuches im Stift Broumov stammt aus dem Jahr 1651.

„Wir waren einfach nur neugierig. Wie ahnten, dass dort etwas Interessantes verborgen sein könnte, was das Turiner Grabtuch betrifft, zum Beispiel Fäden aus dem Original-Tuch. Wir sind über die Absperrung geklettert und nahmen die Schatulle, die mit einem gewöhnlichen Haken befestigt war, ganz einfach heraus. Sie war von einer dicken Staubschicht bedeckt. Wir öffneten sie und fanden im Inneren ein zusammengefaltetes Tuch. (…) Das Licht fiel durch die Fenster direkt auf das Tuch und ließ die Umrisse eines Menschen durchscheinen. In der Mitte war eine eingenähte Authentika (Authentizitätsnachwe­is) und der Herr Vikar, der gut Latein kann, stellte ganz erstaunt fest, dass es sich um eine Kopie des Turiner Grabtuches handelte. Und da wurde uns klar, dass wir etwas ganz Besonderes entdeckt hatten.“

(Přemysl Sochor; zdroj: Koktejl, 2011)

Heute ist Přemysl Sochor der Verwalter des Stiftes Broumov und seinen berühmten Fund können Sie im Rahmen der Besichtigung bewundern. Im Kloster ist außerdem ein neues Kulturzentrum entstanden, das nicht nur abwechslungsreiche Veranstaltungen, sondern auch thematische Besichtigungen der historischen Denkmäler anbietet. Und wer sich vom Stift in seinen Bann ziehen lässt und länger verweilen möchte, kann in einer der ehemaligen Mönchszellen übernachten.

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