Unerwartete Landschaftsdimensionen

Wohl keine andere historische Epoche wie der Barock wusste so gefühlvoll mit der Landschaft umzugehen. Er schmückte sie mit zahllosen Kleinbauten wie Kapellen, Bildstöcken, Statuen, Glorietten, aber auch mit kilometerlangen Alleen und die Orientierung erleichternden Solitärbäumen. Der Adel brachte mit der Gestaltung der Landschaft seine Position zur Geltung, die Kirche wiederum geleitete die Gläubigen zu Wallfahrtsstätten und Kreuzwegen.

Die böhmische Barocklandschaft zählt zu den interessantesten in ganz Europa, auch wenn nur ein Bruchteil dieser ursprünglichen, grandiosen Kompositionen bis in die Gegenwart bewahrt blieb. Wollte man drei Persönlichkeiten hervorheben, die außerordentlich zu ihrer Bedeutung beitrugen, dann sind dies Albrecht von Wallenstein, Franz Joseph von Schlik und Franz Anton von Sporck. Und weil es immer noch am schönsten ist, die Barocklandschaft per pedes oder im Fahrradsattel kennen zu lernen, laden wir Sie an Orte ein, an denen man den Zauber der einstigen Barocklandschaft am stärksten verspürt.

Eines der herrlichsten Juwelen der Barockkunst ist im ostböhmischen Kuks (Kukus) zu finden. An beiden Seiten des Elbtales und in den angrenzenden Wäldern ließ Graf Sporck eine weitläufige und bis ins kleinste Detail durchdachte Kuranlage erbauen, die an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zum beliebten Treffpunkt der europäischen High Society wurde.

Wie unterschiedlich die Landschaft von der Persönlichkeit ihres Schöpfers geprägt sein kann, ist in der Umgebung von Jičín (Jitschin) zu sehen. Während Albrecht von Wallenstein bei der Gestaltung der Landschaft dieser herrisch gebietet, Schneisen in die Wälder haut und grandiose Bauten errichtet, respektiert Joseph Schlik sie, hört ihr demütig zu und schafft so eine feinfühlige Landschaftskom­position, die auf den ersten Blick nicht pompös wirkt, jedoch von starker spiritueller Ausstrahlung ist und auf Schritt und Tritt kleine barocke Überraschungen bereithält.

Die ausgeklügelte Arbeit mit Landschaftsele­menten kam noch auf anderem Gebiet zum Ausdruck – im Militärwesen. Auf herrschaftliches Geheiß entstehen an verschiedensten Orten des Böhmischen Königreiches einzigartige Festungssysteme, die sich geschickt das Gelände und die Nähe von Flüssen zu Nutze machen. Durch Reste dieser barocken Stadtbefestigungen kann man in Olomouc (Olmütz), Hradec Králové (Königgrätz), in der Prager Hochburg (Vyšehrad) oder auf dem Brünner Spielberg (Špilberk) bummeln. Aber schlichtweg einzigartig sind die auf „der grünen Wiese“ errichteten Festungsstädte Theresienstadt (Terezín) und Josephstadt (Josefov), die so angelegt waren, dass sie sich monatelang einer mehrfachen Übermacht erwehren konnten.

Barock Tour

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