Farben und Düfte des Barocks

Zum Leben im Barock gehörten aber auch Vergnügungen und Feste. Viele heutige Bräuche stammen aus jener Zeit. Auf dem Lande werden bis heute neben dem Oster- und Weihnachtsfest weitere Traditionen gepflegt – Fastnachtsumzüge, das Pfingstfest u.a.m. Die Teilnahme an derartigen Volksfesten, die ohne gutes Essen und Trinken und ohne Musik undenkbar wären, wird zum unvergesslichen Erlebnis. Eine Vorstellung davon, wie unsere Vorfahren lebten, bekommt man im Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm (Rosenau unter den Radhoscht), dem ältesten und größten seiner Art in Europa. Mehrere originelle Holzhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert vermitteln das traditionelle Leben in Mähren zu jener Zeit. Zu einem einzigartigen Museum unter freiem Himmel mauserte sich auch das Dörfchen Zubrnice (Saubernitz) im Böhmischen Mittelgebirge mit Barockbrunnen und Beispielen der traditionellen Architektur auf dem Gebiet Böhmens.

Die malerischsten südböhmischen Dörfer stammen ebenfalls aus Barockzeiten. Auch der sog. Bauernbarock ließ sich von diesem Kunststil inspirieren, der ursprünglich lediglich Adelssitzen und Sakralbauten vorbehalten war; unter seinem Einfluss wandelten sich die Dorfanger des südböhmischen Holašovice (Hollschowitz) oder auch der Orte in den Regionen Zbudovská und Soběslavská blata zu den malerischsten Kompositionen der ländlichen Architektur weltweit.

Ein Kapitel für sich ist die barocke Gastronomie. Traditionelle Gerichte, die in den Adelssitzen gereicht wurden, aber auch Speisen der etwas bescheideneren böhmischen Landküche kann man bei speziellen saisonalen Veranstaltungen und in ausgewählten Restaurants das ganze Jahr über ausprobieren.

Edler Speis und Trank waren längst keine Domäne des Adels. Auch die Klöster und Mönchsorden erlebten einen gewaltigen Aufschwung und nutzten ihr häufig langjähriges Privilegium des Bierbrauens leidlich aus. Spezialbiere in Harmonie mit klassischer böhmischer Küche kann man bei den Streifzügen durch Tschechien beispielsweise in den wunderschönen, im Barockstil umgebauten Klöstern Želiv (Seelau), im nordböhmischen Osek (Osegg) oder auch direkt in der Hauptstadt ausprobieren. Inmitten der Klosteranlage von Stift Břevnov in Prag steht ein Brauhaus, das an den überhaupt ältesten Brauereibetrieb Böhmens anknüpft, wo das „goldene Gebräu“ bewahrten Berichten zufolge schon vor einem Jahrtausend reifte.

Aber auch Weinkenner kommen in Tschechien nicht zu kurz. In Südböhmen bieten beispielsweise die Weinkeller in den Schlössern Valtice (Feldsberg) und Mikulov (Nikolsburg), aber auch die einzigartig bewahrten Kellergassen in Pavlov (Pollaus) oder Zaječí (Saitz) ihren flüssigen Reichtum an. Zum besten böhmischen Wein muss man sich in die Elbniederungen von Polabí begeben, wo sich über der Elbe das majestätische Schloss Mělník (Melnik) und die ausgedehnte Barockresidenz Roudnice nad Labem (Raudnitz an der Elbe) mit seiner mehr als 400-jährigen Tradition erheben.

Barock Tour

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