Memento mori

Im Barock erwacht ein neues Interesse an persönlichen, tief emotionalen, spirituellen Erlebnissen. Die sakrale Architektur und Kunst sollen einen in Erstaunen versetzen und so werden im Glauben an deren übernatürliche Fähigkeiten der Marienkult und Märtyrerkult des Johann Nepomuk geboren. Als Ausdruck des Dankes für überstandene Drangsale lassen Kirche und Adelshäuser Pestsäulen, Kapellen, kleine Kirchen oder auch Kreuzwege errichten. Eine wichtige Rolle spielt auch das Interesse an Dingen, die den Horizont des menschlichen Lebens überschreiten. Wunder sind gefragt – echte oder auch nur vermittelte. An Wallfahrtsorten werden „Wunderbücher“ mit Berichten über die wunderbare Erhörung der Pilger verwahrt. Bedeutende Marienwallfah­rtsorte sind beispielsweise Křtiny (Kiritein) unweit von Brno (Brünn) in Mähren, Bohosudov (Mariaschein) in Nordböhmen oder auch das Kloster Heiliger Berg (Svatá Hora) bei Příbram (Pribram).

Die Menschen im Barock fanden sich mit dem Tode besser ab als wir heutzutage. Kein Wunder – verheerende Kriege und Pestplagen brachten Tod und Verderben in nie gekanntem Ausmaß. Die Vergänglichkeit des Lebens, das bekannte Memento mori – „Denke daran, dass du stirbst!“ – wurde so zum zentralen Motto des religiösen Lebens. Es erinnerte die Lebenden daran, dass das Leben untrennbar mit dem Tod verbunden ist und dass die irdischen Taten des Menschen entscheidend dafür sind, was ihn nach dem Tode erwartet. Dieses Motto schlägt einem am Eingang des grandiosen Barockklosters Kuks (Kukus) ebenso entgegen wie in der zierlichen Barockperle – dem Dorffriedhof im mährischen Střílky.

Eine böhmische Besonderheit ist die Vorliebe für Ossarien, die heute bemerkenswerte touristische Attraktionen darstellen. Eines der bekanntesten lädt nach Sedlec (Sedletz) bei Kutná Hora (Kuttenberg) ein, in Mähren wiederum ist neuerdings das Beinhaus unter der Kirche St. Jakob in Brünn zu besichtigen. Und wenn man schon mal in dieser Region weilt, empfiehlt es sich, den Ausflug nach Mikulov (Nikolsburg) auszudehnen, das nicht nur des Kreuzweges zum Heiligen Berg bei Nikolsburg (Svatý Kopeček), sondern auch der einzigartigen Dietrichstein-Gruft wegen sehenswert ist, des größten Bauwerks dieser Art in Tschechien, erbaut nach Plänen von J. B. Fischer von Erlach.

Barock Tour

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung erkläre ich mich einverstanden. Ich stimme zu