Verborgene Barockjuwelen

Keine historische Epoche hinterließ in Tschechien so viele Spuren wie der Barock. Unter seinem Einfluss wandelten sich Städte und Landschaften auch abseits der großen Metropolen und die rundlichen Türme der ländlichen Barockkirchen wurden zu ihrem neuen Wahrzeichen. In solch einer Fülle von Baudenkmalen übersieht man leicht ein paar Juwelen, die im tschechischen, ja sogar europäischen Kontext ihresgleichen suchen.

Der beste Ort, um diese verborgenen Schätze des Barocks aufzuspüren, ist Westböhmen. Diese reiche Region verdankt ihren außerordentlichen Aufschwung zu Zeiten des Barocks vor allem den mächtigen Klöstern Plasy (Plass) und Kladruby (Kladrau), deren ehrgeizigen Äbte die besten Architekten der böhmischen Länder in ihre Dienste beriefen – Johann Blasius Santini-Aichl und Kilian Ignaz Dientzenhofer. Santini brillierte mit der genialen technischen Lösung des neuen Konvents in Kloster Plasy, Dientzenhofer wiederum vollendete den aufwendigen Umbau des Klosters Kladruby. Bei der Arbeit an diesen Großaufträgen entwarfen sie sozusagen ‚nebenbei‘ noch zahlreiche kleinere Bauwerke in deren Umgebung, die beispielsweise Mladotice (Mlatz), Mariánská Týnice (Maria Teinitz), Přeštice (Prestitz) oder Nicov (Nitzau) zieren.

Der Barock zeichnete sich zudem durch eine gewisse Vorliebe für Kuriositäten aus. Dank der Entdeckungen in Übersee drang immer häufiger die Kunde vom fremden Charakter ferner Länder nach Mitteleuropa. Mag sein, dass gerade diese den Maler Antonín Tuvora dazu inspirierten, den Tanzsaal im westböhmischen Schloss Nebílovy (Nebillau) mit Szenen aus dem tropischen Regenwald zu verzieren. Eine ähnliche Besonderheit ist auch der weitläufige Komplex künstlicher, unterirdischer Ruinen, sog. Grotten, die sich Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg, Großherzogin der Toskana im nordböhmischen Ploskovice (Ploschkowitz) errichten und mit zahlreichen Skulpturen ausschmücken ließ.

Aber nicht nur weitere interessante Bauten, sondern auch bemerkenswerte menschliche Schicksale warten darauf, entdeckt zu werden. Vom wohl interessantesten weiß Schloss Duchcov (Dux) zu berichten, in dem der bekannte Verführer Giacomo Casanova seinen Lebensabend verbrachte.

Barock Tour

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